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Enigma Emmy Göring von Werner Fritsch
Werner Fritsch:
Werner Fritsch wurde am 4. Mai 1960 im nordostbayrischen Waldsassen geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums widmete sich Werner Fritsch in den Jahren 1980 - 1984 hauptsächlich dem Aktionstheater als Autor, Regisseur und Darsteller. Er verfasste insgesamt sechs Werke, von denen vor allem sein Roman "Cherubim" große Aufmerksamkeit erzielte und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. U.a. erhielt Fritsch hierfür den Robert-Walser-Preis. Aber auch seine Hörspiele und Dokumentarfilme erhielten Beachtung und wurden ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Chroma", "Hydra Krieg", "Bach" und "Wondreber Totentanz".
Später erschienen von Werner Fritsch weitere Prosaveröffentlichungen, Theaterstücke, Hörspiele und Filmdrehbücher. Aufgewachsen auf einem Bauernhof bezieht der Autor seine Jugenderfahrungen in alle seine Werke mit ein. Einige seiner Werke wurden an namhaften Theatern in Deutschland aufgeführt. Des weiteren entstanden zwei Filme nach seinen Büchern.
Werner Fritsch hat sich in den letzten Jahren zwar nicht vollständig von seiner schriftstellerischen Tätigkeit abgewandt, widmet sich in seit einiger Zeit jedoch vermehrt seiner Lehrtätigkeit in den Bereichen Dramatik und Neue Medien und war mehrere Semester lang am Leipziger Literaturinstitut als Gastprofessor tätig.
Von seinen oberpfälzischen Wurzeln hat sich der Schriftsteller nie ganz getrennt. Er hat weiterhin einen Wohnsitz dort behalten und lebt sowohl im Ort Wondreb in der Oberpfalz als auch in Berlin.
Enigma Emmy Göring:
Schon der von Werner Fritsch gewählte Titel für seinen Roman ist intelligent. Enigma war ja die Chiffriermaschine zur Verschlüsselung von Nachrichten bei den Nazis. Wir alle wissen, dass dieser Code Gott sei Dank von den Alliierten geknackt wurde. Im Roman wird nun Emmy Göring dechiffriert, entschlüsselt, blossgestellt, und mit ihr die gesamte braune Brut. Sarkastisch ist die Sprache, Fritsch wollte eine Parodie schaffen, die das gesamte Dritte Reich als dumm, engstirnig und verlogen herausstellt. Denn das waren sie alle, dumm, engstirnig, verlogen, grössenwahnsinnig, und sie haben die Welt in allergrösstes Unglück gestürzt. Emmy's Vater hatte eine Schokoladenfabrik. Dass das Kind in der braunen Süssigkeit geradezu baden konnte, ist klar. Und man konnte es sich auch leisten, ihr eine schauspielerische Ausbildung zukommen zu lassen. Braun, ja braun, das war immer Emmy's liebste Farbe und sollte es auch bleiben. Intelligent war sie nicht, die Emmy, nein, zickig und egozentrisch. Als sie 1934 Hermann Göring kennen lernte, machte er sie zur preussischen Staatsschauspielerin. Auch Herman Göring's Lieblingsfarbe war braun, und Emmy war exakt die Gattin, die zu ihm passte. Sie schaute zu ihm auf, war naiv und ihre allergrösste Begabung war die, vollkommen die Entsetzlichkeiten, die in Nazi-Deutschland geschahen, zu ignorieren. Dazu brauchte es ihrerseits keinerlei angestrengter Verdrängungsmechanismen, keiner geplanten Ablenkungen, nein, die Emmy hatte und würde immer nur das wahrnehmen, was in ihrem verlogenen eigenen Mikrokosmos geschah. Sie steht hier für all die anderen, die es vorzogen, die gleiche Haltung einzunehmen. Enigma Emmy Göring, lesens- und hörenswert.